Rückblick auf die Forschungsphasen I–III
Im Rahmen des Innovationsnetzwerks »Future Care and Services (FuCaSe)« hat das Fraunhofer IAO gemeinsam mit den Praxispartnern in bisher drei Forschungsphasen zentrale Grundlagen für die Zukunft der Altenhilfe systematisch erarbeitet und weiterentwickelt.
Forschungsphase I (2021-2023): Analyse von New Work-Potenzialen
Zu Beginn des Projekts stand die Frage im Mittelpunkt, wie New Work in der Altenhilfe wirken kann. Durch Good-Practice-Recherchen aus der Pflege und aus anderen Branchen sowie Interviews mit innovativen Vorreitern überprüften wir systematisch vorhandene New-Work-Konzepte und deren Übertragbarkeit auf die Altenpflege. Anhand einer deutschlandweiten Befragung erhoben wir die New-Work-Potenziale aus Sicht der Pflegenden und entwickelten erste Umsetzungsideen.
Dokumentiert sind diese Erkenntnisse in den FuCaSe-Skizzen »Chancen und Potenziale von New Work in der Altenpflege«, die zentrale Handlungsfelder strukturiert darstellen. Parallel dazu bauten wir einen Technologieradar auf, um relevante technologische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und in ihren Auswirkungen auf Arbeits- und Organisationsformen einzuordnen.
Diese erste gemeinsame Forschungsphase hat uns gezeigt: Die Altenpflege verfügt über enorme Gestaltungspotenziale, wenn Organisationen Flexibilität, Kooperation, agile Arbeitsformen sowie neue Ansätze von Führung und Selbstorganisation konsequent weiterdenken.
Forschungsphase II (2023-2024):
Entwicklung neuer Zusammenarbeits- und Organisationsmodelle
Aufbauend auf den Erkenntnissen der ersten Phase rückte in der zweiten Forschungsphase die konkrete Ausgestaltung von Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Wir entwickelten dafür und konkretisierten die Zusammenarbeit im kompetenzorientierten Qualifikationsmix als zentralen Gestaltungsansatz. Dabei lösten wir uns bewusst von starren, qualifikationsorientierten Aufgabenstrukturen und richteten die Arbeit systematisch an Kompetenzen, Rollen und der Verteilung von Verantwortlichkeiten aus. Gemeinsam mit Praxispartnern erarbeiteten und erprobten wir neue Organisationsmodelle, die eine effizientere und zugleich bedarfsgerechtere Zusammenarbeit ermöglichen und weiterhin die Bewohnendenorientierung im Fokus haben. Diese neue Arbeitsorganisation ist im FuCaSe-Rollenmodell beschrieben. Dieses überführten wir gezielt in ein Planspiel, um die neue Form der Zusammenarbeit praktisch erfahrbar zu machen.
Gleichzeitig arbeiteten wir gemeinsam daran, relevante Kompetenzen für die rollenbasierte Zusammenarbeit sichtbar zu machen und systematisch zu nutzen. Wir erprobten diese im Partnerkreis als Erhebungsinstrument für die Altenpflege.
Ergänzend entwickelten wir einen Methodenkoffer mit interaktiven und innovativen Vorgehensweisen, die Teams dabei unterstützen, neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Kurzbefragungen zu ausgewählten New-Work-Themen lieferten zusätzliche Impulse aus der Praxis.
Parallel dazu begleiteten wir die Praxispartner intensiv bei der Umsetzung. Mit innovativen Workshopformaten aus unserem Methodenkoffer unterstützten wir sie dabei, eigene New-Work-Projekte in Experimentierräumen zu initiieren und weiterzuentwickeln. Ein Element bildete dabei die Praxiserprobung des Rollenmodells mithilfe des Planspiels »Zusammenarbeit im kompetenzorientierten Qualifikationsmix«, das den Transfer in den Arbeitsalltag gezielt unterstützt.
Forschungsphase III (2025-2026): Führung im Rollenmodell
In der dritten Forschungsphase legten wir den Fokus konsequent auf die Umsetzung und nachhaltige Verankerung der entwickelten Ansätze. Dabei zeigte sich deutlich, wie zentral Führung für die Anbahnung und Ausgestaltung der kompetenzorientierten Zusammenarbeit ist. Anhand einer Befragung zum Führungsverständnis und zur Aufgabenverteilung gewannen wir Erkenntnisse zum Rollenverständnis der Führungskräfte und der Mitarbeitenden in der Pflege. Darauf aufbauend entwickelten wir bestehende Führungsmodelle gezielt zu neuen Führungsprofilen in der Altenpflege weiter.
In der methodischen Umsetzung griffen wir zentrale Themen der vorherigen Phasen auf und führten sie weiter. Der New-Work-Bezugsrahmen und das FuCaSe-Rollenmodell waren die Grundlage für die Arbeit an Führungsmodellen und -profilen in der Altenhilfe. Zudem beschäftigten wir uns intensiv mit zukünftigen Kompetenzen im Sinne von Future Skills. Parallel dazu nutzten wir den Transformations- und Innovationsnavigator des Fraunhofer IAO und brachten die branchenspezifischen Anforderungen der Altenpflege ein.
In der Zusammenarbeit mit der Praxis zeigte sich insbesondere, wie wichtig konkrete Anwendungskontexte sind. Das Planspiel erwies sich erneut als wirksames Instrument, um neue Formen der Zusammenarbeit erlebbar zu machen und Reflexionsprozesse anzustoßen. Mit dem Transformations- und Innovations-Navigator (TIN) unterstützten wir Einrichtungen dabei, Veränderungsprozesse systematisch sichtbar zu machen und strategisch auszurichten. Gleichzeitig ermöglichten die entwickelten Kompetenzprofile eine differenzierte Betrachtung von Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten und unterstützten den Transfer in die Praxis.
Zusammenfassende Einordnung der ersten drei Forschungsphasen
Über die drei Forschungsphasen hinweg zeigte das Fraunhofer IAO gemeinsam mit dem FuCaSe-Konsortium, dass New-Work-Ansätze in der Altenhilfe nicht nur theoretisch beschreibbar, sondern auch praktisch umsetzbar sind. Seit 2021 sind die beteiligten Partnerorganisationen in Veränderungsprozessen vorangegangen, haben die Kompetenzorientierung in der Altenpflege konsequent weitergedacht und neue Formen der Zusammenarbeit im kompetenzorientierten Qualifikationsmix aktiv erprobt.
FuCaSe hat damit einen strukturierten Entwicklungsprozess realisiert, der von der Analyse über die konzeptionelle Gestaltung bis hin zur Umsetzung in der Praxis reicht und zentrale Impulse für die Weiterentwicklung der Altenhilfe setzt. Eine Fortführung in neuen Versorgungsmodellen ist die logische Folge.
Ausblick Forschungsphase IV (2026-2027): Neue Versorgungsmodelle und Skalierung
In der vierten Forschungsphase führen wir den FuCaSe-Entwicklungsprozess fort. Wir beschränken uns dabei nicht mehr auf die Verbesserung bestehender Formen der Zusammenarbeit, sondern denken Versorgung, Organisation und Steuerungslogik grundlegend neu. Ausgangspunkt ist die Frage, wie Pflege und Unterstützung ausgehend vom Menschen gestaltet werden können, sodass sie flexibel, präventiv und sektorenübergreifend oder sogar frei von bestehenden Sektoren funktionieren. Gleichzeitig entwickeln wir das kompetenzorientierte Rollenmodell im Kontext neuer Versorgungslogiken weiter und integrieren aktuelle Entwicklungen wie veränderte Kompetenzregelungen, Akademisierung sowie digitale und KI‑basierte Technologien.
Methodisch verbinden wir die konzeptionelle Weiterentwicklung mit konkreten Umsetzungsansätzen. Ein Baukasten zur Implementierung des Rollenmodells und unterstützt die Praxispartner durch geeignete Werkzeuge, Reflexionsformate. Mithilfe simulationsbasierter Verfahren prüfen wir, ob und wie die Zusammenarbeit im kompetenzorientierten Qualifikationsmix konkret funktioniert – sowohl auf Ebene einzelner Versorgungssituationen (Sicht der Pflegebedürftigen) als auch auf struktureller Ebene, etwa in Dienstplanung und Aufgabenverteilung (Sicht der Pflegenden). Gleichzeitig identifizieren wir neue Rollen und Verantwortlichkeiten, die sich aus aktuellen Entwicklungen ergeben, und beschreiben daraus wir neue Versorgungsbilder und leiten zentrale Gestaltungsprinzipien für zukünftige Organisations- und Versorgungslogiken ab.
In der Praxiserprobung bleibt die enge Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen ein zentraler Bestandteil. Wir begleiten die Einrichtungen gezielt bei der Umsetzung, unterstützen sie in strategischen Fragestellungen und fördern den Transfer der entwickelten Ansätze in den Arbeitsalltag. In Workshops arbeiten wir gemeinsam an der Implementierung des kompetenzorientierten Qualifikationsmixes, an der Weiterentwicklung von Teamstrukturen sowie an neuen Formen der Zusammenarbeit und Führung. Gleichzeitig greifen wir Erfahrungen aus der Praxis systematisch auf, reflektieren erfolgreiche Ansätze im Netzwerk und entwickeln diese weiter. So führen wir den kontinuierlichen Lernprozess weiter und denken über bestehende Strukturen hinaus in eine neue, zukunftsorientierte Altenhilfe.
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